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Das Barocke Universum Gotha                                                               Kunstwettbewerb 2014  / 3. Rang

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Herzogliches Museum, Gotha

Die Kugel als Prinzip des Universums

Für die Menschen des 17. Jahrhunderts galt die Kugel als Form des Universums, der Sterne, der Planten, also auch der Erde.
Auch die Bahnen der Planeten wurden als Kreisbahnen gesehen, die in einer Kugel verlaufen. Heute nehmen wir an, dass auch
die Elementarteilchen des Mikrokosmos nach dem Kugelprinzip aufgebaut sind.

Idee

Die Idee einer Kugel wird als Hohlraum in einem Granitwürfel dargestellt. Die im Inneren des Granitwürfels liegende Hohlkugel ist
so groß, dass sie die Außenflächen des Würfels tangiert. Theoretisch wird an den Berührpunkten eine Materialstärke von Null erreicht.
Da dieser Übergang in Granit nicht darstellbar ist, werden an den Berührpunkten von Würfel und Kugel unregelmäßige Ausbrüche
entstehen. Der Würfel wird in eine Hälfte und 2 Viertel gespalten. Die innen liegende Hohlkugel mit ihrer vergoldeten Oberfläche wird
sichtbar.

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Der Betrachter kann die Teile der Kugel in seiner Vorstellung wieder zu einer Einheit zusammenfügen.                     Gipsmodell  M 1:10

Standorte

Die 3 Kugelfragmente werden 3 Museumsorten zugeordnet und stellen diese deutlich sichtbar in einen Zusammenhang.
Sobald der Betrachter eines der Kugelobjekte gesehen hat, wird der beim Anblick des nächsten sofort erkennen, dass er Teile der
selben Hohlkugel vor sich hat. Die 1,80 m hohen Kugelfragmente stehen dem Betrachter auf Augenhöhe gegenüber.
Die halbe Hohlkugel wird vor dem Herzoglichen Museum platziert und wird ähnlich einer Parabolantenne auf das Pertesforum hin
ausgerichtet. Ein Viertel wird neben den linken Turm von Schloss Friedenstein gesetzt, sodass es vom Herzoglichen Museum
aus zu sehen ist. Die andere Viertelkugel wird im Eingangsbereich des Pertesforums auf eine Mauer gesetzt.

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Schloss Friedenstein, Gotha

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Pertesforum, Gotha

Bezug zum Barocken Universum

Schiefrunde Perle:
Die goldene Hohlkugel mit ihren unregelmäßigen Spaltungen und assymetrischen Platzierungen kann als Metapher für die
ursprüngliche Bedeutung des Wortes Barock als schiefrunde Perle gesehen werden.

Geometrie:
Würfel und Kugel verweisen auf die Geometrie, die im Barock auch in der Philosophie eine zentrale Bedeutung hatte.  
siehe: Spinoza: Ethik, nach geometrischer Methode dargelegt

Atome, Kopernikus, Demokrit:
Gezeigt werden die ersten 2 Teilungen einer Reihe, die sich unendlich oft weiterführen ließe.  Die Frage wird aufgeworfen, ob
eine Teilung in unendlich kleine Einheiten möglich wäre, oder ob man nach einer endlichen Anzahl von Teilungen nicht mehr
teilbare Einheiten (Atome) erhalten würde. Dies ist der Gedankengang von Demokrit, den Kopernikus im 17. Jahrhundert
wiederbelebte.

Trennung von Idee und Materie, Descartes:
In der gezeigten Installation ist die Kugel nicht materiell vorhanden. Sie wird durch das Material (Stein) umschrieben und existiert
nur als Idee. Hier besteht ein Bezug zur von Descartes postulierten Trennung von Idee und Materie, Körper und Seele ….

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